1938 – Aus Wien vertriebene/ermordete jüdische Fotografen und Fotografinnen: Moritz Apfel


Moriz Apfel wurde am 12. Dezember 1865 in Kanitz in Mähren (heute: Dolní Kounice/Tschechien) als Sohn des Fleischhauers Hermann Apfel (*1829, gest. 23.8.1907 Wien) und Sara Sali (*zirka 1837, gest. November 1921 Wien), geborene Burian, geboren. Mit ihr gemeinsam hatte er die Tochter Hedwig (*11.8.1898 Wien, ermordet 3.3.1942 KZ Ravensbrück), die als Absolventin der Wiener Musikakademie und Schülerin des Pianisten und Komponisten Juliusz Wolfsohn in den 1930er Jahren als Konzertpianistin arbeitete, und sich in Wien in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs engagierte.

Die Bühne, H. 216, 1928, S. 5.

Apfel betrieb zunächst in den 1880er und 1890er Jahren mit seinem Bruder Leopold ein Kommissionswarenhaus in Wien 1, Fleischmarkt Nr. 6 und 8A und arbeitete daneben noch seit 1912 als Fiaker-Fahrer. Seit 2.9.1898 war er gewerbebehördlich angemeldeter Verkäufer von Heiligenbildern in Wien 1, Fleischmarkt 6 und vom 23.3.1909 bis März 1938 als Fotograf in Wien 2, Obere Donaustraße 29 und später auf Nr. 31 tätig. Sein Atelier trug den Namen „Gebrüder Apfel“.

Gewerbeschein Moritz Apfel: 23.3.1909 – Photographengewerbe.

Die Familie Apfel, die jüdischer Herkunft und der NS-Verfolgung ausgesetzt war, lebte 1938 in Wien 2, Rotenkreuzgasse 5/20.

Sein Atelier wurde mit 31.12.1938 (B.H. II.-A-392/1939) aufgrund der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben, GBlÖ Nr. 619/1938, gelöscht. Moritz Apfel verstarb am 13.11.1941 unter unbekannten Umständen in seiner Wohnung in Wien Rotenkreuzgasse 5. Seine Ehefrau Adele wurde am 20.6.1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und am 19.9.1942 in das KZ Treblinka überstellt und ermordet. Seine Tochter Hedwig wurde in die Pflegeanstalt der Stadt Wien Wagner-Jauregg eingewiesen, von dort in das KZ Ravensbrück deportiert, und am 3.3.1942 ermordet.

(Das Projekt wird gefördert vom Zukunftsfonds der Republik Österreich).

Text, copyright: Walter Mentzel

Aus dem Projekt:Durch das NS-Regime aus Österreich vertriebene und ermordete Fotografen und Fotografinnen [mehr….]

Quellen:
Matriken der IKG, Geburts-Anzeige 1898, Hedwig Apfel.
Matriken der IKG, Trauungsbuch 1897, Apfel Moriz, Beckmann Apfel.
Archiv der WKÖ, Gewerbeakt Apfel Moritz.
ÖStA, AdR, BMF FLD, Zl. 27/105, Adele Apfel.
ÖStA, AdR, E-uReang, FLD, Zl. 2.068, Apfel Hedwig.
Datenbanken:
Friedhofsdatenbank der IKG Wien: Apfel Moritz, Apfel Hermann, Apfel Sara Sali.
DÖW, Datenbank österreichischer Shoah-Opfer und Todesopfer politischer Verfolgung 1938 bis 1945 sowie von der GESTAPO Wien erkennungsdienstlich erfasster Männer und Frauen, Apfel Adele und Hedwig.
Zeitungen und Zeitschriften:
Gerichtshalle, 21.9.1896, S. 6.
Deutsches Volksblatt, 29.8.1907, S. 11.
Österreichische Photographen-Zeitung, April 1909, S. 25.
Illustrierte Kronen-Zeitung, 20.11.1913, S. 12.
Zu Hedwig Apfel:
Die Bühne, H. 216, 1928, S. 5.
Radio Wien, 26.6.1929, S. 8.
Neues Wiener Journal, 13.9.1925, S. 35.
Der Morgen, Wiener Montagblatt, 12.5.1924, S. 7.

  1 comment for “1938 – Aus Wien vertriebene/ermordete jüdische Fotografen und Fotografinnen: Moritz Apfel

  1. Edeltrud Lanzenberger
    14. Februar 2022 um 9:36

    Guten Tag, wir haben zwei Bilder ca. 1924 aus Nachlass von Moriz Apfel. Besteht öffentliches Interesse zu diesen Bildern?

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