Lexikon zur Flüchtlingspolitik der Habsburgermonarchie während des Ersten Weltkrieges

Der Journalist und Publizist Felix Salten schrieb 1917 in der Neuen Freien Presse rückblickend über den im Herbst 1914 unerwartet eintretenden massenhaften Zuzug von Flüchtlingen aus dem Nordosten der Monarchie nach Wien:

Flüchtlinge …, das Wort war uns damals ungewohnt und selten, …“ „Wir waren nicht geübt von Flüchtlingen zu reden, das Wort in der Mehrzahl zu gebrauchen. Wer konnte ein Flüchtling sein? Irgendein aus dem Kerker entsprungener Verbrecher, oder ein schuldlos Verfolgter, oder ein entlaufener Soldat. Jedenfalls ein einzelner, höchstens zwei oder drei, die das Schicksal einander gesellt. Das ein ganzes Volk zu Flüchtlingen werden kann, werden muss, hat niemand von uns geahnt, oder wenn es irgendeiner dennoch geahnt hat, dann war seien Phantasie zu lahm, sich’s vorzustellen, wie das sein möge… Jetzt aber kamen sie. Tausende und aber Tausende Flüchtlinge. […] Wir waren so überrascht wie erschüttert, so bestürzt wie ratlos. Keiner von uns hatte auch nur die geringste Erfahrung. […] Diese Welt hatte ein halbes Jahrhundert in Frieden gelebt“.[1]

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[1] Neue Freie Presse, 15.7.1917, S. 2.