Lexikon der vom Nationalsozialismus aus Österreich vertriebenen und ermordeten jüdischen FotografInnen - Provenienzforschung

1938 – Aus Wien vertriebene/ermordete jüdische Fotografen und Fotografinnen: Otto Wassermann – Atelier Lilli


Otto Wassermann war dreißig Jahre lang bis 1938 ein Fotograf im 9. Wiener Gemeindebezirk – Alsergrund. Er wurde am 4. März 1877 in Groß-Kanizsa in Ungarn (heute: Nagykanizsa/Ungarn) als Sohn von Rosa Wassermann (*zirka 1850, gest. 30.8.1913 Wien) geboren, und war seit 1901 mit Maria (*26.5.1879 Budapest), geborene Klein, verheiratet. Vor dem Ersten Weltkrieg ging Wassermann in Wien zunächst den Beruf eines Bankangestellten und Vertreter bei einem Wechsel-Eskompte-Büro nach. Nachdem er 1902/03 die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien besucht hatte, arbeitete er seit 17. Jänner 1903 als gewerbebehördlich angemeldeter Fotograf und besaß über dreißig Jahre lang Ateliers an wechselnden Standorten im neunten Wiener Gemeindebezirk, die er unter den Namen „Atelier Lilli“ führte.

Zunächst hatte er bis 1906 ein Atelier in Wien 9, Berggasse 25 und Alserstraße 18, danach in Wien 9, Porzellangasse 39 und 54, in der Servitengasse 5, Glasergasse 18, Rothe Löwengasse 15 und ab 1926 in Wien 9, Alserbachstraße 41. Seit spätestens 1916 besaß er daneben noch ein Atelier in Wien 1, Stubenring 2, das ab zirka 1921 den Namen „Wiener Ring-Atelier Wassermann & (Emil) Tauber“ trug und an dem er bis zu seinem Ausscheiden als Mitgesellschafter im Jahr 1924 beteiligt war. Von 1927 bis 1938 befand sich sein Atelier wieder in der Glasergasse 18 in Wien 9, wo er auch 1938 mit seiner Ehefrau lebte. Er nahm an Ausstellungen teil, wie an jener der Photographischen Gesellschaft in Wien im Jahr 1904 im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie und publizierte seine Arbeiten in Zeitschriften wie „Die Bühne“ (1936), in „Der Humorist“ (1922), „Wiener Salonblatt“ (1919), „Wiener Bilder“ (1919), „Moderne Welt“ (1922).

Wassermann und seine Ehefrau Maria waren jüdischer Herkunft und der NS-Verfolgung ausgesetzt. Sein Atelier wurde am 28. November 1938 gewerbebehördlich abgemeldet, am 23. Jänner 1939 zurückgelegt und am 22.2.1939 gelöscht. Otto und Maria Wassermann wurden gemeinsam aus ihrer Wohnung in Wien 9, Glasergasse 18/8 am 12. Mai 1942 in das Ghetto Izbica deportiert und ermordet.

Text, Copyright: Walter Mentzel

Aus dem Projekt: Durch das NS-Regime aus Österreich vertriebene und ermordete Fotografen und Fotografinnen [mehr….]

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